Warenlieferungen im paneuropäischen Versand über Amazon

Haas - Steuernachrichten

Bei Verkäufen über Amazon kommt es immer wieder zu gravierenden umsatzsteuerlichen Problemen, insbesondere beim z. B. paneuropäischen Versand.

Im Streitfall handelte die Klägerin K, eine holländische B.V., u. a. mit Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln für Diäten. Diese Verkäufe wurden über die Internetseite der Amazon Services Europe S.à.r.l. (Amazon) mit Sitz in Luxemburg i. R. d. Modells "Verkauf durch Händler, Versand durch Amazon" (auch "fulfillment by amazon" oder "Paneuropäischer Versand durch Amazon" genannt) abgewickelt. Zum überwiegenden Teil erfolgt der Warenverkauf an deutsche Kunden über die Internetseite von Amazon. K beförderte die Waren aus den Niederlanden an diverse Logistikzentren von Amazon in Deutschland und im übrigen Gemeinschaftsgebiet. Nach erfolgtem Kauf durch den Kunden hat Amazon die Waren an den Kunden versandt.

K ging davon aus, dass sie in den Niederlanden steuerbare und steuerfreie ig. Lieferungen an Amazon ausführe. Leistungsempfänger ihrer Warenlieferungen seien nicht die Endkunden, sondern sei Amazon mit Sitz in Luxemburg. Das FA sah in diesen Vorgängen in Deutschland entweder wegen § 3 Abs. 6 UStG (soweit die Waren in einem deutschen Lager von Amazon lagen) oder wegen § 3c UStG (soweit die Waren in einem Lager im übrigen Gemeinschaftsgebiet lagen) steuerbare und steuerpflichtige Umsätze und unterwarf diese dem ermäßigten Steuersatz von 7 %. So sah es jetzt auch der BFH. Es liegt zunächst ein Verbringen und bei späterem Kauf durch den Kunden eine im Inland (entweder wegen § 3 Abs. 6 UStG oder § 3c UStG) steuerbare und steuerpflichtige Lieferung vor. Die Ware wurde nicht zunächst an Amazon geliefert und dann durch Amazon weiterverkauft. Zivilrechtliche Rechtsbeziehungen kamen nur zwischen der K und den deutschen Endkunden zustande. Daran ändert nichts, dass Amazon die Ware an die Kunden versandt hat.

Hinweis
Im Streitfall war die Lieferschwelle i. S. d. § 3c UStG (im Inland 100.000 EUR) überschritten. Sollte dies nicht der Fall sein, kommt § 3c UStG grundsätzlich nicht zur Anwendung. Der Ort der Lieferung bestimmt sich dann regelmäßig nach § 3 Abs. 6 UStG und am Beginn der Beförderung oder Versendung durch Amazon.

Fundstelle

BFH-Beschluss, 29.04.2020, XI B 113/19, DStR 2020, 1115

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