Veräußerungsgewinn bei einem teilweise privat genutzten PKW

Haas - Steuernachrichten

Wird ein zum Betriebsvermögen gehörendes, teilweise privat genutztes Kfz veräußert, erhöht der gesamte Unterschiedsbetrag zwischen Buchwert und Veräußerungserlös den Gewinn.

Wolfgang Goethe (G) ist Schriftsteller. Aus seiner Tätigkeit erzielt er Einkünfte aus selbstständiger Arbeit i. S. d. § 18 EStG. Er ermittelt seinen Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG. Für seine selbstständige Tätigkeit benötigt G einen Pkw. Im Jahr 2013 erwirbt er einen Pkw mit Anschaffungskosten i. H. v. 75.000 EUR, den er seinem gewillkürten Betriebsvermögen zuordnete. Den Pkw nutzt G nachweislich zu 25 % betrieblich und zu 75 % privat. Für die private Nutzung des Pkw erklärt G eine Nutzungsentnahme i. H. v. 75 %. Darin enthalten waren jeweils 75 % der AfA-Beträge. Im Jahr 2019 veräußert G den Pkw, der zu diesem Zeitpunkt vollständig abgeschrieben war, zu einem Preis i. H. v. 15.000 EUR. In seiner EÜR erklärt G einen Verkaufserlös i. H. v. 3.750 EUR (25 % von 15.000 EUR). Gegenüber dem Finanzamt erklärt G, dass er den Verkaufserlös mit 25 % angesetzt hat, weil auch nur in dieser Höhe nachweislich eine betriebliche Nutzung vorlag. Der Betriebsprüfer berücksichtigt in der Steuerfestsetzung des G den gesamten Verkaufserlös i. H. v. 15.000 EUR. Begründung: G hat im Rahmen seiner Anlagen zur EÜR unmissverständlich den gesamten Pkw dem Betriebsvermögen zugeordnet.

Die private Nutzung eines Wirtschaftsguts führt zu einer Nutzungsentnahme gem. § 4 Abs. 1 Satz 2 EStG. Dabei wird nicht der Wert der privaten Nutzung, sondern der durch sie verursachte Aufwand als entnommen angesehen. Die Nutzungsentnahme ist deshalb mit den tatsächlichen Selbstkosten zu bewerten. Dazu gehören die buchmäßigen Gesamtaufwendungen für das Wirtschaftsgut einschließlich der AfA in tatsächlich in Anspruch genommener Höhe. Diese Grundsätze gelten entsprechend bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG und führen zu einer fiktiven Betriebseinnahme. Die Besteuerung der Nutzungsentnahme i. H. d. Selbstkosten einschließlich der anteiligen AfA hat aber keine Auswirkungen auf die Bemessung des Gewinns aus der Veräußerung des PKW. Die Besteuerung der Privatnutzung eines Wirtschaftsguts des Betriebsvermögens in Form der Nutzungsentnahme einerseits und dessen spätere Veräußerung andererseits betreffen unterschiedliche Vorgänge, die getrennt zu betrachten sind. 

Der BFH entschied jetzt: Der von G realisierte Veräußerungserlös i. H. v. 15.000 EUR ist - trotz vorangegangener Besteuerung der Nutzungsentnahme - in voller Höhe als Betriebseinnahme zu berücksichtigen. Er ist weder anteilig zu kürzen, noch findet eine gewinnmindernde Korrektur i. H. d. auf die private Nutzung entfallenden AfA statt.

Fundstelle

BFH-Urteil, 16.06.2020, VIII R 9/18, DStR 2020, 2364

zur Übersicht