Veräußerung von privaten Wirtschaftsgütern über eBay

Haas - Steuernachrichten

Werden privat und ohne Veräußerungsabsicht Wirtschaftsgüter veräußert, kann dies der letzte Akt der privaten Vermögensverwaltung sein. Allein die Verwendung einer auch von gewerblichen Händlern genutzten Internetplattform führt zu keinem anderen Ergebnis.

Baut der Sammler aus privatem Interesse eine Sammlung auf und fasst er erst später den Entschluss, diese insgesamt oder in Einzelakten zu veräußern, ist dies der letzte Akt der privaten Vermögensverwaltung. Ein händlertypisches Verhalten liegt nicht vor, da es am Warenumschlag fehlt. Die Verwendung einer auch von gewerblichen Händlern benutzten Internetplattform allein reicht nicht aus. Die Grenze zur Gewerblichkeit kann allerdings überschritten sein, wenn der Sammler Maßnahmen ergreift, um die Gegenstände besonders marktgängig zu machen. 

Der Streitfall:

Ein Steuerpflichtiger veräußerte Modelleisenbahnen und Zubehör über seine eigene Internetplattform und ordnete diese Tätigkeit korrekterweise seinen gewerblichen Einkünften zu. Außerdem tätigte er Verkäufe über eBay die er in seiner Gewinnermittlung jedoch unberücksichtigt ließ. Eine durchgeführte Umsatzsteuersonderprüfung ergab, dass auch diese Verkäufe erklärt werden hätten müssen, woraufhin die Einkommen- und Gewerbesteuermessbescheide der Streitjahre geändert wurden. Der Steuerpflichtige bekräftigte, dass die eBay-Verkäufe aus seiner privat aufge-bauten Sammlung stammen und im Ursprung nicht für den Verkauf gedacht waren. Weil er sich aber im Jahr 2010 einen Handel mit Modelleisenbahnen aufbauen wollte, benötigte er den Erlös aus der privaten Sammlung als Startkapital. Das FG wies die Klage ab. Auch die Verkäufe über eBay seien dem Gewerbebetrieb zuzuordnen. Die Auflösung einer zunächst privat angelegten Sammlung durch eine Vielzahl von Verkäufen sei gewerblich.

Entscheidungsgründe:

Aufgrund eines Rechtsfehlers wurde das Urteil aufgehoben und an das Finanzgericht zurückverwiesen, denn es unterstellte, die Veräußerung einer Privatsammlung würde zur Gewerblichkeit führen.
Sofern die Gegenstände bereits im Ursprung für den Gewerbebe-trieb angeschafft wurden, sind die daraus erzielten Einnahmen dem Gewerbebetrieb zuzurechnen. Ein Einlagewert wäre nicht zu berücksichtigen, da ohne eine weitergehende Prüfung, nicht fest-gestellt werden kann, ob beim Erwerb ein Betriebsausgabenabzug vorgenommen wurde.

Sofern die Modelle, wie vom Steuerpflichtigen behauptet, für eine private Sammlung angeschafft wurden, könnten diese im Nach-gang dem Betriebsvermögen zugerechnet werden. Hier wären dann aber die Einlagewerte gewinnmindernd zu berücksichtigen. 

Sofern die Gegenstände zu keiner Zeit dem Betriebsvermögen zuzuordnen gewesen wären, stellt sich die Frage, ob die eBay- Verkaufstätigkeit allein genommen als gewerbliche Tätigkeit anzusehen ist. Wenn dies so wäre, wären die Modelle gleichermaßen in das Betriebsvermögen einzulegen sobald die Verkaufstätigkeit beginnt.

Sollten die eBay-Verkaufstätigkeiten allein genommen nicht zur Gewerblichkeit führen, wären sie ertragsteuerlich nicht von Bedeutung.

Im zweiten Rechtsgang hat das FG festzustellen, ob der Steuer-pflichtige die über eBay verkauften Modelle für den Gewerbebetrieb oder für die private Sammlung angeschafft hat.
Der Steuerpflichtige verkauft die gleichen Gegenstände über zwei verschiedene Plattformen. Grundsätzlich werden branchenübliche Geschäfte dem Gewerbebetrieb zugeordnet. Trotz allem kann durch objektive Umstände belegt werden, dass er die entspre-chenden Wirtschaftsgüter vom betrieblichen Bereich getrennt hat und somit eine private Veranlassung vorliegt.

Die Veräußerung aus dem Privatvermögen heraus, ohne die vorherige Absicht der wiederholten Anschaffung zur Weiterveräußerung (Handel) ist der Vermögensverwaltung zuzuordnen. Wenn der Steuerpflichtige die Modelle also für seine private Sammlung angeschafft hat, fehlt es an der Absicht des Weiterverkaufs. Nur weil er über die Plattform eBay verkauft, kommt es, auch nicht bei mehrfachen Geschäften, zur Klassifizierung als Händler. 

Allein aus der Verkaufstätigkeit über eBay ergibt sich nicht die Vergleichbarkeit mit der Tätigkeit eines Händlers. Das gilt auch dann, wenn der Steuerpflichtige über einen längeren Zeitraum zahlreiche Verkaufsgeschäfte abgewickelt hat.  

Der BFH verweist auf ein Urteil des BFH zum gewerblichen Grundstückshandel. Die dort erfassten Grundsätze gelten gleichermaßen für die Veräußerung von beweglichen Gegenständen. (BFH vom 15.3.2000, X R 130/97, BStBl II 2001, 530)

Fundstelle

BFH-Urteil v, 17.6.2020, X R 18/19

zur Übersicht