Das Taxi als öffentliches Verkehrsmittel?

Einkommensteuer

Sind die Fahrtkosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit dem Taxi als Werbungskosten abziehbar?

Im Rahmen der Werbungskosten können die Aufwendungen für Fahrten zwischen der Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln abgezogen werden. Doch gilt ein Taxi auch als öffentliches Verkehrsmittel im Sinne des § 9 Abs. 2 Satz 2 EStG?

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer war aufgrund seiner Behinderung nicht mehr in der Lage, sein Auto selbst sicher zu führen. Die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte legte er daher mit dem Taxi zurück.

Die Aufwendungen hierfür machte er als Werbungskosten bei seinen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit geltend. Zu Recht?

Hinweis

Interessant ist, dass der Begriff "öffentliches Verkehrsmittel" im EStG nicht definiert ist. Der BFH hatte hier zu klären, ob es um die öffentliche Verfügbarkeit oder um planmäßig fahrende Verkehrsmittel, also den Linienverkehr geht.

Urteil

Der BFH kam zu dem Ergebnis, dass ein Taxi nicht als öffentliches Verkehrsmittel im Sinne des § 9 Abs. 2 Satz 2 EStG anzusehen ist.

Aus der Entstehungsgeschichte der Norm und ihrem Sinn und Zweck leitet der BFH ab, dass unter den Anwendungsbereich nur öffentliche Verkehrsmittel im Linienverkehr fallen. Ein Taxi ist von der Verfügbarkeit und der Verkehrssituation eher dem eigenen Pkw vergleichbar.

Im Ergebnis waren die Werbungskosten daher nur in Höhe der Entfernungspauschale abziehbar, nicht die tatsächlichen Kosten der Taxifahrten.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 09.06.2022, VI R 26/20

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