Noch nicht berücksichtigter Erhaltungsaufwand

Haas - Steuernachrichten

Größere Erhaltungsaufwendungen können nach § 82 EStDV auf zwei bis fünf Jahre gleichmäßig verteilt werden. Was passiert, wenn der Steuerpflichtige innerhalb dieses Zeitraums verstirbt?

Der Steuerpflichtige kann größere Aufwendungen für die Erhaltung von Gebäuden, die im Zeitpunkt der Leistung des Erhaltungsaufwands nicht zu einem Betriebsvermögen gehören und überwiegend Wohnzwecken dienen, abweichend von § 11 Abs. 2 EStG auf zwei bis fünf Jahre gleichmäßig verteilen. Verstirbt der Steuerpflichtige innerhalb dieses Zeitraums stellt sich natürlich die Frage, wie mit dem noch nicht in der Einkommensteuererklärung berücksichtigten Erhaltungsaufwand umzugehen ist. Im Urteilsfall wurde darüber gestritten, ob diese entweder im Todesjahr 2016 in einer Summe bei dem Erblasser abziehbar sind oder ob die Verteilung des § 82b EStDV beim Erben fortgeführt wird. 

Urteilsfall

Der in 2016 verstorbene Ehemann der Klägerin war Eigentümer eines mit einem Zweifamilienhaus bebauten Grundstücks. Aus diesem erzielte er Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. In den Jahren 2012 bis 2015 hatte der verstorbene Ehemann Erhal-tungsaufwendungen von knapp 63.000 EUR verausgabt. Für diese Erhaltungsaufwendungen hatte der Verstorbene jeweils eine Verteilung auf fünf Jahre nach § 82b EStDV gewählt. Der im Streitjahr 2016 noch nicht berücksichtigte Teil der Erhaltungsaufwendungen belief sich zum Zeitpunkt des Todes auf 29.852,88 EUR.

Das Zweifamilienhaus ging mit dem Erbfall am 12.01.2016 auf die Erbengemeinschaft über, an der die Klägerin beteiligt war. Bei der gesonderten und einheitlichen Feststellung der Einkünfte der Erbengemeinschaft für das Streitjahr wurden keine Abzugsbeträge nach § 82b EStDV berücksichtigt. In ihrer Einkommensteuererklärung für das Streitjahr erklärte die Klägerin für ihren verstorbenen Ehemann bei den Einkünften aus Vermietung für Zweifamilienhaus für den Zeitraum vom 01.01.2016 bis zum 12.01.2016 einen Verlust in Höhe von 32.829 EUR. Als Werbungskosten gab sie den zum Zeitpunkt des Todes noch nicht berücksichtigten Teil der Erhaltungsaufwendungen an. Das Finanzamt lehnte dieses ab. Die von der Klägerin erhobene Klage hatte Erfolg.

Auch der BFH entschied jetzt: Hat der Steuerpflichtige größere Erhaltungsaufwendungen nach § 82b EStDV auf mehrere Jahre verteilt und verstirbt er innerhalb des Verteilungszeitraums, ist der noch nicht berücksichtigte Teil der Erhaltungsaufwendungen im Veranlagungsjahr des Versterbens als Werbungskosten im Rahmen seiner Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung abzusetzen (entgegen R 21.1 Abs. 6 Sätze 2 und 3 EStR 2012).

Fundstelle

BFH-Urteil v. 10.11.2020, IX R 31/19

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