Lohnzufluss bei Teilnahme an einem Firmen-Fitnessprogramm

Haas - Steuernachrichten

Die monatliche 44 EUR- Freigrenze für Sachbezüge gilt auch dann, wenn der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer einjährige Trainingslizenzen erwirbt. Das hat der BFH klargestellt.

Immer mehr Arbeitgeber bieten ihren Angestellten neben dem Gehalt weitere Vergünstigungen, wie z.B. eine verbilligte Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Nur wenn die monatliche Freigrenze von 44 EUR nicht überschritten wird, handelt es sich dabei um einen steuerfreien Sachbezug. 

Der BFH musste die Frage klären, wann dem Arbeitnehmer der geldwerte Vorteil aus der vergünstigten Nutzung eines Fitnessstudios zufließt, wenn der Arbeitgeber eine einjährige Trainingslizenz erworben hat: Mit Einräumung der Trainingsberechtigung in voller Höhe (44-EUR-Freigrenze überschritten) oder monatlich (44-EUR-Freigrenze nicht überschritten)?

Der Sachverhalt: 

Die X-GmbH hat ihren Arbeitnehmern im Rahmen eines Firmenfitnessprogramms ermöglicht, in verschiedenen Fitnessstudios zu trainieren. Sie hat 20 einjährige Trainingslizenzen erworben, für die pro Monat jeweils 50,28 EUR incl. Umsatzsteuer zu zahlen waren. 

Die Arbeitnehmer haben monatlich einen Eigenanteil von 16 bzw. 20 EUR gezahlt. Die X-GmbH war der Meinung, dass kein geldwerter Vorteil zu versteuern war. Sie ging von einem monatlichen Zufluss aus, so dass die 44 EUR-Freigrenze für Sachbezüge gem. § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG nicht überschritten war. 

Das Finanzamt vertrat dagegen die Auffassung, dass den Arbeitnehmern die Möglichkeit, für ein Jahr an dem Firmenfitnessprogramm teilzunehmen, in einer Summe zugeflossen war, so dass die 44 EUR-Freigrenze überschritten war (50,28 EUR x 12 Monate = 603,36 EUR). 

Dem schlossen sich weder das Finanzgericht noch der BFH an. Der geldwerte Vorteil ist den teilnehmenden Arbeitnehmern als laufender Arbeitslohn monatlich zugeflossen. Die X-GmbH hat ihr vertragliches Versprechen, den Arbeitnehmern die Nutzung der Fitnessstudios zu ermöglichen, unabhängig von ihrer eigenen Vertragsbindung monatlich fortlaufend durch Einräumung der tatsächlichen Trainingsmöglichkeit erfüllt. 

Der Zufluss von Arbeitslohn kann nicht mit dem Entstehen des Nutzungsrechts, sondern erst mit der laufenden Nutzungsmöglichkeit angenommen werden. Daher ist den Arbeitnehmern der Vorteil monatlich zugeflossen. 

Unter Berücksichtigung der von den Arbeitnehmern geleisteten Eigenanteile ist die 44 EUR-Freigrenze eingehalten worden, so dass der geldwerte Vorteil aus der Teilnahme an dem Firmenfitnessprogramm nicht zu versteuern ist.

Hinweis: 
Ein Sachbezug liegt bei der Übernahme von Beiträgen zu einem Fitnessstudio immer dann vor, wenn der Arbeitgeber Vertragspartner des Fitnessstudios ist.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 07.07.2020 VI R 14/18

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