Kosten für Schulhund können Werbungskosten sein

Einkommensteuer

Eine Lehrerin kann die Aufwendungen für einen Schulhund anteilig als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit abziehen.

Antje Schlau ist Lehrerin an einer weiterführenden Schule und dort auch in Inklusionsklassen eingesetzt. Sie hat privat einen Jack Russel Terrier mit dem Rufnamen Joey angeschafft und mit ihm die Begleithundeprüfung abgelegt. Antje Schlau setzt Joey während des Unterrichts als "Schulhund" ein. Die Schule hat ein eigenes "Schulhundekonzept" und wirbt auch auf ihrer Internetseite mit dem Projekt "Schulhund …". Die Schulleitung hat die Anwesenheit und den Einsatz des Hundes i. R. d. Projekts genehmigt. Kostenerstattungen für den Hund erhält Antje Schlau aber nicht. Sie nimmt Joey an allen Schultagen mit zur Schule, wo er sich während des Unterrichts in der jeweiligen Klasse aufhält. Er wird i. R. e. tiergestützten Pädagogik aktiv in den Unterricht und die Pausengestaltung mit einbezogen. Antje Schlau ist der Meinung, dass ihr Schulhund ein Arbeitsmittel ist. In ihrer Einkommensteuererklärung beantragt sie daher, die vollen Aufwendungen für ihren Hund als Werbungskosten zu berücksichtigen (Kosten für Hundezubehör, Futterkosten, Tierarzt, Hundesteuer und Tierhalterhaftpflichtversicherung).  Das Finanzamt lehnt den Werbungskostenabzug ab, weil die Aufwendungen nicht ausschließlich beruflich veranlasst sind und eine Abgrenzung zum privaten Bereich nicht möglich ist.

Der BFH entschied jetzt, dass der Hund kein Arbeitsmittel ist, da Arbeitsmittel ausschließlich oder nahezu ausschließlich beruflich genutzt werden müssen. Antje Schlau „nutzt“ ihren Hund allerdings auch in nicht unerheblichem Umfang privat.

Allerdings sind Aufwendungen, die abgrenzbare berufliche und private Anteile enthalten, grundsätzlich aufzuteilen. Dabei hat der Steuerpflichtige die berufliche Veranlassung der Aufwendung im Einzelnen umfassend darzulegen und nachzuweisen. Im Streitfall ist eine Aufteilung der Aufwendungen in einen privat veranlassten und einen beruflich veranlassten Anteil erforderlich und möglich. Die beiden Veranlassungsbeiträge sind nicht untrennbar. Der Hund wird in der Zeit, in der er in der Schule ist, ausschließlich beruflich genutzt. Das Finanzgericht schätzte den beruflichen Nutzungsanteil des Hundes daher auf 50 %. Dem hat der BFH nun mit diesem Urteil zugestimmt. Angesichts der privaten Mitveranlassung können in einem solchen Fall maximal 50 % der Aufwendungen für einen Schulhund als Werbungskosten anerkannt werden. Ein hälftiger Abzug ist lt. BFH aus Vereinfachungsgründen anzuerkennen, wenn der Hund innerhalb einer regelmäßig fünftägigen Unterrichtswoche arbeitstäglich in der Schule eingesetzt wird.

Hinweis

In einem Parallelverfahren (Az. VI R 15/19) hat der BFH die Aufwendungen für die Ausbildung eines Schulhundes der Klägerin zum Therapiehund in voller Höhe als Werbungskosten anerkannt, da diese spezielle Ausbildung ersichtlich nur durch den Schuleinsatz veranlasst ist und eine private Mitveranlassung nicht ersichtlich ist.

Fundstelle

BFH-Urteil, 14.01.2021, VI R 52/18

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