Keine Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen bei Belastung des Gesellschafterverrechnungskontos

Einkommensteuer

Eine Verbuchung auf dem Verrechnungskonto des Gesellschafters ist keine "Zahlung", die als Handwerkerleistung geltend gemacht werden kann.

Für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer auf Antrag um 20 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um 1.200 EUR pro Kalenderjahr.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme dieser Steuerermäßigung ist jedoch, dass der Steuerpflichtige für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten hat und die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist.

Urteilsfall

Günter Ziegel ist von Beruf Dachdecker und Gesellschafter-Geschäftsführer der Ziegel GmbH. Im Streitjahr beauftragte er diese GmbH mit Reparaturarbeiten an seinem Wohnhaus. Die hierfür ausgestellte Rechnung wurde nicht per Überweisung beglichen, sondern im Wege der Aufrechnung seinem bei der GmbH geführten Gesellschafter-Verrechnungskonto belastet.

Das Finanzamt verwehrte die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen in der Einkommensteuererklärung von Günter Ziegel, da die buchhalterische Verrechnung keine Zahlung im Sinne des § 35a Abs. 5 EStG darstelle.

Dem erstinstanzlichen Urteil folgend bestätigte nunmehr der BFH die Auffassung des Finanzamts.

Die formelle Ermäßigungsvoraussetzung, dass die Zahlung der Rechnung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist, verlangt die Gutschrift des Rechnungsbetrags auf einem Konto des Leistenden bei einem Kreditinstitut.

Ohne die Einbindung eines Kreditinstituts fehle es an der erforderlichen bankmäßigen Dokumentation des Zahlungsvorgangs.

Hinweis

Anders als bei Handwerkerleistungen sind für die Inanspruchnahme für Pflege- und Betreuungsleistungen und Heimunterbringungskosten eine Rechnung und eine Zahlung auf das Konto des Leistenden keine zwingenden Ermäßigungsvoraussetzungen (BFH-Urteil, 12.04.2022, VI R 2/20)

Fundstelle

BFH Beschluss v. 09.06.2022 - VI R 23/20

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