Gewerbliche Tätigkeit eines Sportlers und Zurechnung von Zahlungen der Sportförderung

Einkommensteuer

Steht eine sportliche Betätigung mit ihrer gewerblichen Vermarktung im Rahmen von Sponsorenverträgen in einem untrennbaren Sachzusammenhang, bilden beide Tätigkeiten einen einheitlichen Gewerbebetrieb. Finanzielle Unterstützungsmaßnahmen der Sportförderung stellen Betriebseinnahmen dar.

Leistungssportler Tim erklärte einen Gewinn aus Gewerbebetrieb, den er als Überschuss der Einnahmen, u.a. aus Sponsorenverträgen, über die Aufwendungen im Zusammenhang mit der Sporttätigkeit ermittelte.

Zahlungen, die er zusätzlich von der Stiftung Deutsche Sporthilfe erhielt, ordnete er den sonstigen Einkünften zu. Diese Zahlungen beinhalteten eine Kader-Förderung sowie eine Prämie für seinen Platz bei den Olympischen Spielen. Diesen Einnahmen stellte Tim Werbungskosten in gleicher Höhe gegenüber. Hierzu gab es einen koordinierten Ländererlass aus dem Jahr 1969, dass dieses Vorgehen steuerlich anzuerkennen ist.

Das Finanzamt hingegen erfasste auch die Zahlungen der dt. Sporthilfe als Einnahmen aus Gewerbebetrieb und erkannte die zusätzlich geltend gemachten Werbungskosten nicht an, da es hierüber keine Nachweise gab.

Die berufsmäßig ausgeübte sportliche Betätigung und deren gewerbliche Vermarktung im Rahmen von Sponsorenverträgen führt zu Einkünften aus einem Gewerbebetrieb.

Sowohl die für die Sportausübung zur Verfügung gestellten Ausrüstungsgegenstände als auch die Erlöse aus Sponsorenverträgen dienen der Finanzierung einer oftmals kostenintensiven Betätigung als Spitzensportler. Die sportliche Leistung wiederum stellt eine Voraussetzung für den Abschluss substantieller Ausrüster- und Sponsorenverträge dar. Aus diesem Verhältnis zwischen entgeltlicher Werbetätigkeit und Leistungssportbetätigung, ergibt sich, dass sich diese Bereiche wechselseitig bedingen und miteinander verflochten sind, so dass insoweit ein einheitlicher Gewerbebetrieb anzunehmen ist.

Die Zahlungen der Stiftung Deutsche Sporthilfe haben ebenfalls den erforderlichen wirtschaftlichen Bezug zur betrieblichen Tätigkeit als Sportler. Die Zuwendungen wurden im Hinblick auf die besonderen sportlichen Leistungen von Tim erbracht. Sie waren von dessen Leistungsniveau und der Teilnahme an nationalen und internationalen Wettkämpfen abhängig. Selbst wenn sie nicht mit einem konkreten Leistungsaustauschverhältnis in Zusammenhang stünden, sondern aus anderen, auf das Unternehmen bezogenen Gründen gewährt werden, liegen betriebliche Einnahmen vor.

Ein Ansatz von pauschalen Betriebsausgaben in Höhe der Zahlungen der Stiftung ist nicht vorzunehmen. Sämtliche abzugsfähigen sportbedingten Aufwendungen wurden bereits als Betriebsausgaben geltend gemacht, so dass daneben eine Berücksichtigung in pauschaler Form ausscheidet.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 15. Dezember 2021, X R 19/19

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