Gewerbliche Infizierung einer freiberuflichen Partnerschaft

Einkommensteuer

Hat ein Mitunternehmer gewerbliche Einkünfte, führt dies zur gewerblichen Infizierung der gesamten Mitunternehmerschaft.

Harry Klug ist Zahnarzt und Gesellschafter einer Partnerschaftsgesellschaft, zu der sich mehrere approbierte Zahnärzte zusammengeschlossen haben. Neben den Gesellschaftern waren im Streitjahr fünf weitere Zahnärzte in der Praxis beschäftigt. Harry kümmert sich als Seniorpartner hauptsächlich um die Organisation, Verwaltung und Leitung der Praxis und ist kaum mehr am Patienten tätig. Der Umsatz von Harry betrugt im Streitjahr 0,028 % des Gesamtumsatzes. Harry war am Gewinn beteiligt. Im Rahmen einer Betriebsprüfung wurden die als freiberuflich erklärten Einkünfte der Gemeinschaftspraxis insgesamt als Einkünfte aus Gewerbebetrieb eingeordnet. Die Umqualifizierung der Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit ist nach Auffassung des Finanzamtes dadurch begründet, dass durch die überwiegende Verwaltungstätigkeit von Harry nicht alle Gesellschafter die Merkmale der selbstständigen Arbeit erfüllen. Das Finanzgericht bestätigt die Auffassung des Finanzamtes, Revision ist eingelegt, Az. des BFH VIII R 4/22.

Praxishinweis

Im Urteilsfall ist die gewerbliche Infizierung anders als in vielen bereits entschiedenen Fällen nicht durch eine aktive gewerbliche Tätigkeit eines Gesellschafters, sondern mangels freiberuflicher Tätigkeit erfolgt. Das Urteil ist deshalb besonders für mitunternehmerisch organisierte Freiberufler bedeutend, die arbeitsteilig arbeiten. Im Urteilsfall war die Organisations-, Verwaltungs- und Leitungsaufgabe auf nur einen nicht mehr aktiv freiberuflich tätigen Mitunternehmer konzentriert. Das Revisionsurteil des BFH bleibt insbesondere im Hinblick darauf abzuwarten, ob sich aus dem BFH-Urteil konkrete Vorgaben für die Zentralisierung von bestimmten Aufgaben auf mehrere Mitunternehmer im Verhältnis zur eigentlichen freiberuflichen Tätigkeit ableiten lassen. Fraglich ist dabei auch, ob Tätigkeiten wie z. B. Kundenakquise oder Werbung als schädlich für die freiberufliche Tätigkeit eingeordnet werden müssen. In jedem Fall sollten Tätigkeit in Grenzfällen dokumentiert werden, auch die Überwachung und Kontrolle fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte.

Fundstelle

Urteil des FG Rheinland-Pfalz, 16.09.2021, 4 K 1270/19, Revision eingelegt, Az. des BFH VIII R 4/22

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