Biberschaden ist keine außergewöhnliche Belastung

Einkommensteuer

Die Kosten für einen Biberschaden können nicht als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden.

T wohnt in einem Einfamilienhaus. Zum Haus gehören ein Wintergarten und eine Terrasse. Das Grundstück des Hauses grenzt mit der Terrasse an einen als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Teich. Im Streitjahr 2014 untergruben Biber die Böschung an der Terrasse, weshalb Rasen und Terrasse des Grundstücks absackten. T wendete in 2014 insgesamt 3.999,75 EUR auf, um Pflasterung und Unterbau der abgesackten Terrasse fachgerecht zu erneuern sowie eine "Bibersperre" zu errichten. Die Kosten machte T in voller Höhe als außergewöhnliche Belastung nach § 33 Abs. 1 EStG geltend. Das Finanzamt und das Finanzgericht Köln folgten dem nicht und setzten stattdessen nur die in den Ausgaben enthaltenen Lohnkosten als Handwerkerleistungen i. S. d. § 35a Abs. 3 EStG an. Der BFH bestätigte jetzt diese Ansicht. 

Außergewöhnliche Belastungen liegen vor, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen entstehen, als der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommens- und Vermögensverhältnisse sowie gleichen Familienstands. Zwangsläufig sind Aufwendungen dann, wenn sich der Steuerpflichtige ihnen aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umständen nach notwendig und angemessen sind. Die Aufwendungen müssen auch der Art und dem Grunde nach unüblich seien.

Wildtierschäden sind bereits dem Grunde nach nicht unüblich. Sie sind daher nicht mit ungewöhnlichen Schadenereignissen, wie Brand, Hochwasser oder "privaten Katastrophen" vergleichbar. Das gilt selbst dann, wenn die Beseitigung der Schäden zur Vermeidung von Gesundheitsgefahren erfolgt oder wenn der Schaden im Zweifel nicht vermeidbar ist, weil naturschutzrechtliche Regelungen effektive Schutzmaßnahmen gegen Biber verbieten.

Fundstelle

BFH-Urteil, 01.10.2020, VI R 42/18

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