Bewertung von Gold im Anlagevermögen

Haas - Steuernachrichten

Für die Bewertung von im Anlagevermögen befindlichen Goldvorräten ist auf den Börsenkurs zum Bilanzstichtag abzustellen.

Herr Goldfinger (G) hat im November 2011 180 oz Gold zu einem Preis von 234.000 EUR erworben. G hat das Gold seinem Anlagevermögen zugeordnet und ermittelt seinen Gewinn nach dem Betriebsvermögensvergleich. 

In den Folgejahren nahm G zum Bilanzstichtag jeweils eine Teilwertabschreibung vor. Zum 31.12.2012 wies G einen Wert von 227.000 EUR, zum 31.12.2013 einen Wert von 180.000 EUR und am 31.12.2014 einen Wert von 175.000 EUR für die Goldvorräte aus. Obwohl sich der Wert des Goldes zum 31.12.2015 auf 195.000 EUR erholt hat, nimmt G auf Grund des gemilderten Niederstwertprinzips (§ 253 Abs. 3 Satz 5 HGB) keine Wertaufholung vor. G geht in 2016 davon aus, dass es sich bei der Kurserholung des Goldes noch nicht um eine Trendwende handelt, da der Goldkurs gemäß aktuellen Studien noch starken Preisschwankungen von 29 - 31 % unterliegt und der Goldkurs in dem betreffenden Jahr 2016 demnach in einer unteren Bandbreite von 180.000 EUR lag. Daher behält G den Wert von 175.000 EUR auch in der Steuerbilanz bei. 

Das Finanzamt bewertet die Goldvorräte mit dem Börsenkurs zum 31.12.2015 von 195.000 EUR und verweist dabei darauf, dass sich der Goldkurs in 2016 insgesamt in einem Mittel von 194.400 EUR (1.080 EUR/oz) bewegt hat (§ 253 Abs. 5 HGB, § 6 Abs. 1 Nr. 2 i. V. m. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG). G vertritt die Meinung, dass für Goldvorräte nicht grundsätzlich auf den Börsenkurs zum Bilanzstichtag abzustellen ist. Mit einer stichtagsbezogenen Bewertung würden zu Unrecht Anlagevermögen und Umlaufvermögen gleichbehandelt. Für die Bewertung eines Goldvorrats mit hoher Volatilität ist eine Bewertung nach dem Zeitreihenvergleich und damit nach einer Bandbreitenbetrachtung vorzunehmen.

Das Finanzgericht Hamburg sah es jetzt wie das Finanzamt. Die Bewertung eines Goldvorrats erfolgt hier nach den Kriterien des nicht abnutzbaren Anlagevermögens. Der Börsenkurs ist zum Nachweis der Wertermittlung des Goldvorrats geeignet und die Bewertung nach dem Zeitreihenvergleich nicht statthaft. Voraussetzung der Teilwertabschreibung ist der Nachweis einer dauernden Wertminderung, die im Urteilsfall nicht (mehr) vorlag. Gegen das Urteil wurde Nichtzulassungsbeschwerde eingereicht, (Az. des BFH: XI B 32/20).  

Fundstelle

Urteil des FG Hamburg vom 03.06.2020

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