Anschaffungsnahe Aufwendungen nach Entnahme aus dem Betriebsvermögen

Einkommensteuer

Die Entnahme eines Wirtschaftsgutes ist als anschaffungsähnlicher Vorgang zu beurteilen. Somit ist auch die 15 % - Grenze bei den anschaffungsnahen Aufwendungen zu beachten.

Ferdi Fuchs (F) ist Landwirt. Aus seinem land- und forstwirtschaftlichen Betriebsvermögen hat er zum 01.03.2011 eine fremdvermietete Wohnung entnommen. Laut Gutachten betrug der Entnahmewert der Wohnung ohne Grund und Boden 49.045 EUR.  Unmittelbar nach der Entnahme aus dem Betriebsvermögen hat Ferdi mit der Sanierung und Modernisierung dieser Wohnung begonnen. Die Aufwendungen dafür betrugen im Jahr 2011: 44.000 EUR, 2012: 21.000 EUR und 2013: 18.000 EUR (insgesamt 83.000 EUR).

Ferdi hat die Aufwendungen als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geltend gemacht. Das Finanzamt hat die Kosten als anschaffungsnahe Herstellungskosten gem. § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG behandelt. Die Entnahme aus dem Betriebsvermögen ist nach Ansicht des Finanzamts ein anschaffungsähnlicher Vorgang. Ausgehend von dem Entnahmewert der Wohnung i. H. v. 49.045 EUR haben die Aufwendungen die im § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG enthaltene 15 %-Grenze überstiegen. Damit können die Aufwendungen lediglich über die Abschreibung der Immobilie steuerlich geltend gemacht werden. Ferdi ist der Auffassung, dass durch die Entnahme kein entgeltlicher Anschaffungsvorgang vorliegt, sodass keine anschaffungsnahen Herstellungskosten vorliegen können. Nach erfolglosem Einspruchsverfahren hat Ferdi Klage erhoben. 

Das in § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG enthaltene Tatbestandsmerkmal der "Anschaffung" ist unter Berücksichtigung der Gesetzessystematik sowie des Regelungszwecks dieser Vorschrift so auszulegen, dass auch die Entnahme eines Wirtschaftsguts als anschaffungsähnlicher Vorgang von ihrem Anwendungsbereich erfasst wird. Auch der BFH hat – ungeachtet des fehlenden Rechtsträgerwechsels – bei der Auslegung und Anwendung einzelner Vorschriften auch Entnahmen und Einlagen als anschaffungsähnliche Vorgänge angesehen und hieraus steuerliche Folgerungen gezogen, die der Gesetzeswortlaut zunächst nur für die "Anschaffung" eines Wirtschaftsguts vorgesehen hat.

So war es jetzt auch im Urteilsfall. Die Entnahme eines Wirtschaftsgutes ist als anschaffungsähnlicher Vorgang i. S. v. § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG zu beurteilen. Das führt dazu, dass bei Gebäuden auch dann anschaffungsnahe Herstellungskosten vorliegen, wenn die Aufwendungen, die für die Renovierung der Immobilie getätigt werden, die in der Regelung enthaltene Grenze von 15 % des Entnahmewerts übersteigen.

Fundstelle

Urteil des FG Köln, 25.02.2021, 11 K 2686/18, Revision eingelegt, Az. des BFH IX R 7/21

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