Abzug von Erhaltungsaufwendungen

Einkommensteuer

Stirbt ein Steuerpflichtiger, kann der noch nicht berücksichtigte Teil größerer Erhaltungsaufwendungen, die auf einen Zeitraum verteilt worden sind, im Todesjahr als Werbungskosten bei der Vermietung abgesetzt werden.

Herr Siegfried Sanftmütig (S) erzielt Einkünfte aus der Vermietung. Im Veranlagungszeitraum (VZ) 2019 hat Siegfried Erhaltungsaufwendun-gen für dieses Objekt i. H. v. 50.000 EUR aufgewendet und eine Verteilung der Werbungskosten nach § 82b EStDV auf fünf Jahre beantragt. 

Demnach hat Siegfried in dem VZ 2019 anteilige Erhaltungsaufwendungen von 10.000 EUR als Werbungskosten berücksichtigt. Am 31.12.2020 verstirbt Siegfried plötzlich und unerwartet. Erben sind seine Frau Frieda Frei (F) und seine drei Kinder. Sie bilden eine Erbengemeinschaft. Frieda beantragt, die noch nicht berücksichtigten Erhaltungsaufwendungen i. H. v. 40.000 EUR als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung in der letzten gemeinsamen Steuererklärung mit Siegfried zu berücksichtigen. Das Finanzamt berücksichtigt für den VZ 2020 lediglich 10.000 EUR als Werbungskosten. Die noch zu berücksichtigenden Erhaltungsaufwendungen von 30.000 EUR soll die Erbengemeinschaft auf die VZ 2021 bis VZ 2023 verteilen. Dabei beruft sich das Finanzamt auf R 21.1 Abs. 6 EStR. Der BFH stellt sich jetzt allerdings klar gegen die Aussage der Finanzverwaltung in dieser Richtlinie. 

Hat der Steuerpflichtige größere Erhaltungsaufwendungen nach § 82b EStDV auf mehrere Jahre verteilt und verstirbt er innerhalb des Verteilungszeitraums, ist der noch nicht berücksichtigte Teil der Erhaltungsaufwendungen im Veranlagungsjahr des Versterbens als Werbungskosten im Rahmen seiner Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung abzusetzen, so der BFH. 

Fundstelle

BFH-Urteil, 10.11.2020, IX R 31/19

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